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Warum der Gewinn lügt – und der Cashflow die Wahrheit sagt

  • Autorenbild: CarstenZaremba
    CarstenZaremba
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Ich sitze regelmäßig in Gesprächen, in denen ein Geschäftsführer sagt: „Wir sind profitabel. Ich verstehe nicht, warum wir immer am Limit sind.“ Die Antwort liegt fast immer an derselben Stelle: Er schaut auf den Gewinn. Nicht auf den Cashflow.

Gewinn und Liquidität sind zwei verschiedene Dinge. Diese Aussage ist buchhalterisch trivial – und wird in der Praxis trotzdem täglich ignoriert.


Wie Gewinn und Liquidität auseinanderfallen

Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen fakturiert im Dezember für 500.000 Euro. Der Gewinn für das Quartal sieht gut aus. Aber der Kunde zahlt erst im März. In der Zwischenzeit müssen Lieferanten bezahlt, Löhne überwiesen, Kredite bedient werden.

Die GuV zeigt Ertrag. Das Konto zeigt nichts. Dieses Delta – zwischen Ergebnis und Zahlungsfähigkeit – ist die eigentliche Risikozone für mittelständische Unternehmen.


Die vier häufigsten Fallen

  • Langes Zahlungsziel bei Kunden: Wer 90-Tage-Ziele akzeptiert, finanziert seinen Kunden vor. Das geht gut, solange das Wachstum moderat ist. Bei schnellem Wachstum wird es zur Liquiditätsfalle.

  • Lager als stiller Cashkiller: Hohe Bestände binden Kapital. In der GuV sind sie ein Aktivposten. Im Cashflow sind sie eine Belastung.

  • Investitionen ohne Finanzierungsplanung: Neue Maschinen, neue IT – alles gut. Aber wenn die Abschreibung in der GuV erscheint und der Liquiditätsabfluss nicht eingeplant war, entsteht eine Schere.

  • Saisonale Schwankungen ohne Puffer: Wer im Sommer produziert und im Winter verkauft, hat einen strukturellen Liquiditätsbedarf, der im Jahresergebnis unsichtbar ist.


Was wirklich zählt: der integrierte Blick

Eine seriöse Unternehmenssteuerung betrachtet GuV, Bilanz und Cashflow als geschlossenes System. Nicht als drei separate Berichte, die einmal im Quartal angeschaut werden.

Die Fragen, die ich in jedem Mandat stelle: Wie entwickelt sich das Working Capital? Wo bindet das Unternehmen Liquidität, die es operativ nicht braucht? Welche Zahlungsströme sind in den nächsten 13 Wochen sicher planbar, welche nicht?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, ergibt eine Ergebnisverbesserung durch Kostensenkung überhaupt Sinn. Denn Kosten zu senken und dabei die Zahlungsfähigkeit zu gefährden – das ist kein Turnaround. Das ist ein anderer Weg zur Insolvenz.


Die wichtigste Kennzahl, die viele nicht kennen

Free Cashflow. Nicht EBIT, nicht EBITDA. Der Free Cashflow zeigt, wie viel Geld ein Unternehmen nach Investitionen und Working-Capital-Veränderungen tatsächlich erwirtschaftet. Er ist schwerer zu berechnen als der Gewinn. Aber er lügt nicht.

Was wirklich zählt, ist nicht der Gewinn im Jahresabschluss. Es ist die Fähigkeit des Unternehmens, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen – heute, morgen und in drei Monaten. Diese Fähigkeit zeigt der Cashflow. Die GuV zeigt sie nicht.

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