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Der häufigste Fehler im Turnaround – und warum er so oft gemacht wird

  • Autorenbild: CarstenZaremba
    CarstenZaremba
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Wenn ein Unternehmen in die Krise gerät, beginnt in vielen Fällen das Gleiche: Eine Analyse wird beauftragt. Dann eine weitere. Daten werden zusammengetragen, Berichte erstellt, Szenarien gerechnet. Das Management wartet auf Klarheit. Die Berater liefern Folien.

Und die Zeit läuft.

Das ist der häufigste Fehler im Turnaround. Nicht fehlende Analyse. Zu späte Entscheidung.


Warum Analyse zur Falle wird

Analyse gibt Sicherheit. Oder zumindest das Gefühl davon. Wer noch rechnet, muss noch nicht entscheiden. Wer noch nicht entschieden hat, hat noch nicht falsch entschieden. Das ist menschlich verständlich – und in der Krise gefährlich.

Denn in einer Turnaround-Situation arbeitet die Zeit gegen das Unternehmen. Jede Woche Verzögerung kostet Liquidität. Lieferanten werden unruhig. Mitarbeiter spüren die Unsicherheit und ziehen Konsequenzen. Banken beobachten. Das Vertrauen der Stakeholder erodiert leise, aber stetig.

Eine Analyse die in sechs Wochen fertig ist, kann ein Unternehmen retten das sechs Monate Zeit hat. Sie kann ein Unternehmen nicht retten, das in vier Wochen zahlungsunfähig ist.


Analyse ≠ Entscheidungsgrundlage

Eine vollständige Analyse und eine ausreichende Entscheidungsgrundlage sind zwei verschiedene Dinge. Das wird in der Krise zu selten unterschieden.

Eine vollständige Analyse will alle Fragen beantworten. Eine ausreichende Entscheidungsgrundlage beantwortet die eine Frage, die jetzt gestellt werden muss: Was sind die nächsten drei Schritte – und wer macht was bis wann?

In meiner Arbeit als CRO stelle ich früh eine einfache Frage: Was wissen wir bereits sicher genug, um zu handeln? Die Antwort ist fast immer: mehr als genug.

Das Liquiditätsproblem ist in der Regel nach zwei bis drei Tagen sichtbar. Die Kernursachen des operativen Verlustes nach einer Woche. Die Frage der Sanierungsfähigkeit nach zwei Wochen. Was noch fehlt, sind Details – aber Details sind kein Grund, die Kernantworten aufzuschieben.


Was zuerst entschieden werden muss

Am Anfang jedes Turnarounds steht für mich eine Priorisierung: Was muss jetzt entschieden werden – und was kann warten?

  • Sofort: Ist die Zahlungsfähigkeit der nächsten 13 Wochen gesichert? Wenn nicht, ist alles andere nachrangig.

  • In der ersten Woche: Welche Gegenmaßnahmen haben die größte Liquiditätswirkung in kürzester Zeit?

  • Im ersten Monat: Ist das Unternehmen grundsätzlich sanierungsfähig – ja oder nein?

Alles andere – die detaillierte Ursachenanalyse, die strategische Neuausrichtung, das vollständige Sanierungskonzept – kommt danach. Nicht davor.


Der Preis der Perfektion

Ich habe Situationen erlebt, in denen ein Unternehmen mit einem exzellenten Sanierungskonzept in die Insolvenz gegangen ist. Das Konzept war fertig. Die Zahlen stimmten. Die Maßnahmen waren richtig. Aber es war zu spät. Die Liquidität war aufgebraucht, bevor das Konzept umgesetzt werden konnte.

Und ich habe Unternehmen erlebt, die mit unvollständigen Daten und einem klaren Entscheidungswillen den Turnaround geschafft haben. Nicht weil die Analyse irrelevant war. Sondern weil die Entscheidung nicht auf die perfekte Analyse gewartet hat.


Ungefähr richtig schlägt ganz genau falsch

Dieses Prinzip gilt nirgendwo so konkret wie im Turnaround. Eine Entscheidung auf Basis von 80 Prozent der Informationen, die heute getroffen wird, ist wertvoller als eine Entscheidung auf Basis von 100 Prozent der Informationen, die in drei Wochen getroffen wird.

Das bedeutet nicht, leichtfertig zu entscheiden. Es bedeutet, zu akzeptieren, dass Unsicherheit kein Aufschubgrund ist – sondern die Bedingung, unter der im Turnaround immer gehandelt wird. Wer auf Sicherheit wartet, wartet zu lang.

Ein erfahrener CRO bringt kein besseres Datenmaterial mit als das Management. Er bringt die Fähigkeit, mit dem vorhandenen Datenmaterial zu entscheiden – schnell, klar und konsequent.

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