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Der CFO im Familienunternehmen: Vertrauen braucht Unabhängigkeit

Autorenbild: CarstenZaremba
CarstenZaremba
8. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen




Wer nicht in die Familie aufgenommen werden könnte, ist für diesen Job wahrscheinlich nicht der Richtige.


Das klingt nach einem weichen Kriterium. Es ist eines der härtesten, die ich kenne.


Ein CFO im Familienunternehmen braucht Vertrauen. Er muss verstehen, was das Unternehmen geprägt hat, warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden und was für die Gesellschafter auf dem Spiel steht.


Gleichzeitig muss er unabhängig bleiben. Nah genug, um gehört zu werden. Unabhängig genug, um zu widersprechen.


Diese Balance entscheidet für mich darüber, ob finanzielle Führung im Familienunternehmen funktioniert.


Gewachsenes Wissen braucht Transparenz

In Familienunternehmen steckt viel Wissen, das in keinem Reporting steht.


Der Inhaber kennt seine Kunden, seine Mannschaft und seinen Markt. Er weiß, warum eine Investition trotz schwieriger Anfangsjahre richtig war. Er kennt die Geschichte hinter einer Zahl.


Mit dem Unternehmen wachsen die Anforderungen an die Finanzfunktion. Banken, Finanzierungspartner oder ein potenzieller Nachfolger haben dieses Wissen nicht. Was intern selbstverständlich ist, muss für andere nachvollziehbar werden.


Hier liegt eine zentrale Aufgabe des CFO: gewachsenes Wissen in belastbare finanzielle Transparenz zu übersetzen.


Dafür braucht es keine zwanzig Folien.


Eine Seite, die Liquidität, Ergebnis, Forecast und die wesentlichen Abweichungen verständlich zusammenführt, kann mehr Klarheit schaffen als ein umfangreiches Reporting.


Denn am Ende will ein Inhaber wissen: Wie steht mein Unternehmen wirklich da? Was kommt auf uns zu? Wo müssen wir entscheiden?


Oder einfacher: Kann ich ruhig schlafen?


Vertrauen muss auch außerhalb des Unternehmens funktionieren

Besonders deutlich wird das bei der Finanzierung.


Eine Hausbank, die ein Unternehmen seit Jahrzehnten begleitet, kennt mehr als Bilanzen und Sicherheiten. Sie kennt die Unternehmer, die Geschichte und oft auch die schwierigen Jahre.


Ein neuer Finanzierungspartner kennt all das nicht.


Dann muss das, was bisher auch durch persönliche Beziehung getragen wurde, aus den Zahlen heraus verständlich werden: Wie entwickelt sich das Ergebnis? Wie belastbar ist die Liquidität? Welche Annahmen liegen der Planung zugrunde? Was passiert, wenn sie nicht eintreten?


Integrierte Planung und belastbare Forecasts sind deshalb mehr als Finanzinstrumente. Sie schaffen eine Grundlage für Vertrauen, wo noch keine gemeinsame Geschichte existiert.


Familie, Eigentum und Unternehmen sind nicht dasselbe

Eine Besonderheit von Familienunternehmen liegt darin, dass mehrere Rollen auf dieselben Menschen treffen können.


Ein Geschäftsführer kann gleichzeitig Gesellschafter, Vater und zukünftiger Übergeber sein. Eine Tochter kann Führungskraft, potenzielle Nachfolgerin und Mitglied der Eigentümerfamilie sein.


Die Interessen dahinter müssen nicht immer deckungsgleich sein.


Das zeigt sich bei Investitionen und Ausschüttungen, bei der Aufnahme von Fremdkapital und besonders bei der Nachfolge.


Für den Übergeber geht es um ein Lebenswerk. Für die nächste Generation um die eigene Zukunft.


Dazwischen stehen sehr konkrete wirtschaftliche Fragen: Was ist das Unternehmen wert? Welche Finanzierung trägt es? Wie viel kann ausgeschüttet werden? Welche Investitionen sind notwendig? Welche Risiken übernimmt wer?


Der CFO muss diese Fragen transparent machen und die wirtschaftlichen Konsequenzen unterschiedlicher Entscheidungen sichtbar machen. Dabei braucht er das Vertrauen der Beteiligten, ohne zum Vertreter einer Seite zu werden.


Vertrauen endet nicht bei der Familie

Ein Familienunternehmen besteht nicht nur aus seinen Gesellschaftern.


Dort arbeiten häufig Menschen, die das Unternehmen seit vielen Jahren kennen. Führungskräfte, kaufmännische Mitarbeiter und externe Partner verfügen über Wissen, das für Veränderungen unverzichtbar ist.


Wer als CFO neu hinzukommt, muss dieses Wissen zunächst verstehen.

In manchen Familienunternehmen sind langjährige Mitarbeiter für die Eigentümerfamilie längst selbst so etwas wie Familie. Das ist eine Stärke des Unternehmens — und anfangs eine Hürde für jeden, der von außen kommt.


Gerade in Veränderungssituationen entsteht Akzeptanz nicht dadurch, dass bestehende Strukturen für falsch erklärt werden. Entscheidend ist zu erkennen, was funktioniert, was nicht mehr ausreicht und was jetzt gebraucht wird.


Professionalisierung bedeutet dabei nicht, Konzernstrukturen über ein mittelständisches Unternehmen zu legen. Sie muss zum Unternehmen passen — ob im Maschinenbau, in der Lebensmittelproduktion oder im Anlagenbau.


Nähe braucht Unabhängigkeit

Je größer das Vertrauen wird, desto wichtiger wird die eigene Unabhängigkeit.


Es gibt Situationen, in denen ein CFO sagen muss, dass eine Investition nicht finanzierbar ist. Dass eine Planung zu optimistisch ist. Dass eine Ausschüttung die finanzielle Bewegungsfreiheit zu stark einschränkt. Oder dass eine Entscheidung wirtschaftlich nicht trägt.


Gerade dann zeigt sich der Wert des zuvor aufgebauten Vertrauens.


Ein guter CFO muss sagen können: Ich verstehe, warum Sie das wollen. Ich sehe es trotzdem anders.


Das ist für mich eine der anspruchsvollsten Aufgaben in einem Familienunternehmen. Fachwissen ist dafür Voraussetzung. Vertrauen macht es möglich. Unabhängigkeit hält es wertvoll.


Was wirklich zählt

Liquidität, Ergebnis, Finanzierung und Planung funktionieren in einem Familienunternehmen nach denselben wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten wie anderswo.


Der Kontext ist ein anderer.


Hinter den Zahlen stehen ein Lebenswerk, ein erheblicher Teil des Familienvermögens, gewachsene Beziehungen und möglicherweise die Verantwortung, das Unternehmen an die nächste Generation weiterzugeben.


Wer als CFO in diesem Umfeld arbeitet, muss diese Dimension verstehen.


Er braucht Nähe, um Vertrauen zu gewinnen. Er braucht Unabhängigkeit, um dieses Vertrauen nicht mit Zustimmung zu verwechseln.


Deshalb bleibt für mich ein ungewöhnlich persönliches Kriterium:


Wer nicht in die Familie aufgenommen werden könnte, ist für diesen Job wahrscheinlich nicht der Richtige.


Wer sich von ihr vereinnahmen lässt, allerdings auch nicht.


Mehr zu meiner Arbeitsweise als Interim CFO: zarcon.de/cfo

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