top of page

Von der Insolvenz zum Neustart: Interim CRO in der Windkraft

  • Autorenbild: CarstenZaremba
    CarstenZaremba
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit



Was vorausging

Von 2002 bis 2004 hatte ich als kaufmännischer Leiter die NOI Holding in Bremerhaven geführt: ein Private-Equity-Investment im Bereich erneuerbare Energien, 14 Unternehmen, vier Produktionsstandorte für Rotorblätter in Deutschland, Spanien und Großbritannien, €50m Gesamtleistung, rund 500 Mitarbeiter. Ich hatte das Konzerncontrolling aufgebaut, Einzel- und Konzernabschlüsse erstellt, ERP eingeführt, M&A-Prozesse begleitet.

Dann veränderte sich der Markt. Die Insolvenz war das Ergebnis eines Marktumfelds das sich schneller drehte als das Unternehmen reagieren konnte — nicht nur von Managementfehlern allein.

 

Das Mandat

2004 beauftragte mich Insolvenzverwalter Rolf Rombach, die NOI-Rotortechnik GmbH in Thüringen als Interim CRO zu führen. Das Unternehmen befand sich in Regelinsolvenz. 150 Mitarbeiter. Ein funktionierender Produktionsbetrieb für Rotorblätter — aber ohne kaufmännische Steuerung, ohne Perspektive, ohne Käufer.

Die Zusammenarbeit mit Rolf Rombach war dabei ein entscheidender Faktor. Ein erfahrener Insolvenzverwalter der nicht nur auf Abwicklung setzt, sondern auf Fortführung und Werterhalt — das schafft den Spielraum den ein CRO in dieser Situation braucht. Klare Aufgabenteilung: er die rechtliche und gläubigerseitige Verantwortung, ich die operative Führung und den M&A-Prozess.

Die Aufgabe war klar und komplex zugleich: den Betrieb am Laufen halten, Transparenz schaffen, das Unternehmen investorenfähig machen — und verkaufen.

 

Was ich getan habe

Zuerst das Operative stabilisieren. In einer laufenden Insolvenz ist Liquidität das einzige was zählt. Jede Woche die das Unternehmen überlebt ist eine Woche mehr Verhandlungsspielraum.

Parallel habe ich die Investorenunterlagen selbst erstellt — Business Plan, Finanzmodell, Präsentation. Alles was ein potenzieller Käufer braucht um eine fundierte Entscheidung zu treffen. Das Unternehmen hatte eine klare Stärke: technisches Know-how, eine funktionierende Produktion und einen Markt der langfristig wachsen würde.

Ich habe das Unternehmen mehr als 30 potenziellen Investoren präsentiert. Strategische Investoren, Finanzinvestoren, internationale Interessenten. Die meisten sagten Nein — aus Gründen die nichts mit dem Unternehmen zu tun hatten.

 

Das Ergebnis

Am Ende stand die CNBM-Gruppe aus Peking — einer der größten Baustoffkonzerne der Welt, Fortune 500. Ihr Vertreter in den Verhandlungen: Guanghui James Qiao. Die Transaktion wurde abgeschlossen. Aus der NOI-Rotortechnik GmbH wurde die SINOI GmbH — mit 80 übernommenen Mitarbeitern, die anschließend wieder aufgebaut wurden.

 

Was dieses Mandat zeigt

In einer Insolvenz ist der CRO nicht derjenige der aufräumt. Er ist derjenige der das Unternehmen so führt dass es noch etwas wert ist — für Mitarbeiter, Gläubiger und potenzielle Käufer gleichzeitig.

Das erfordert operative Disziplin, kaufmännische Klarheit und die Fähigkeit, ein Unternehmen in einer schwierigen Situation überzeugend zu vertreten. Nicht als Verkäufer — sondern als jemand der die Zahlen kennt, die Risiken benennt und trotzdem für das Potenzial einsteht.

bottom of page